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Fairtrade Deutschland News
19.07.2021

Kaffee für morgen: Fairtrade erneuert Kaffeestandard

Fairtrade aktualisiert den Standard für Kaffee und verschärft die Kriterien zu Handelspraktiken, Menschenrechten und Umwelt

Kaffee für morgen: Der Fairtrade-Kaffeestandard wurde erneuert, um noch stärker auf fairere Handelspraktiken, Menschenrechte, Umwelt- und Klimaschutz hinzuarbeiten.

Das bekannte Fairtrade-Siegel beruht auf starken internationalen Standards. Neben Standards für Akteure entlang der Lieferkette – also für kleinbäuerliche Produktion, für Organisationen mit lohnabhängig Beschäftigten und für Händler – gibt es Standards, die sich mit spezifischen Produkten befassen. Jetzt wurde der Standard für den „Klassiker“ unter den Fairtrade-Produkten, der Standard für Kaffee, runderneuert.

Der aktualisierte Fairtrade-Kaffeestandard spiegelt den stärker werdenden Ansatz für fairere Handelspraktiken und die Verpflichtung zu unternehmerischer Sorgfaltspflicht für Menschenrechte und Umwelt wider.

Gemeinsames Werk: Konsultationen für das beste Ergebnis

Für die Überarbeitung wurden verschiedene Interessensgruppen konsultiert und sowohl Kaffee-Produzentenorganisationen und Händler als auch Röster und Hersteller befragt. Im Standards-Komitee von Fairtrade wurden Ideen und Vorschläge diskutiert und Änderungen vorgenommen.

Ziel ist es, Handelspraktiken noch transparenter, nachvollziehbarer und fairer zu gestalten, Entwicklungspotential zu fördern und kleinbäuerliche Organisationen in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen.

Die wichtigsten Änderungen in Kürze:

  • Konkretes Marktpotential für Fairtrade-Kaffee: Es gelten neue Eintrittsvoraussetzungen für Produzentengruppen und Exporteure, die Fairtrade beitreten wollen. Produzentengruppen müssen bereits seit zwei Jahren als demokratisch strukturierte Organisation etabliert sein und ein konkretes Marktinteresse nach Fairtrade-Kaffee nachweisen. Neue Exporteure müssen Nachfrage nach ihren Exportdienstleistungen nachweisen
  • Mehr Transparenz: Produzentengruppen sind aufgefordert, Monitoring-Systeme einzuführen, um Produktions- und Verkaufsinformationen noch genauer nachverfolgen zu können.
  • Strengere Vertragskriterien: die Rolle für Exporteure und das Aufsetzen von Verträgen ist klarer und strenger. Verträge müssen nationale und industrielle Rahmenbedingungen erfüllen.
  • Explizite Klausel für den Mehrwert von Mindestpreis und Prämie: Diese Klausel betrifft den Schutz von Kaffeeorganisationen, die sowohl Fairtrade-Verkäufe als auch solche unter konventionellen Bedingungen haben und besagt: Fairtrade-zertifizierte Ware darf nicht unter der Bedingung verkauft werden, dass dafür eine andere Menge an konventioneller Ware mit Rabatt verkauft wird.
  • Menschenrechte aktiv schützen: Produzentenorganisationen sind verpflichtet, Assessments durchzuführen und aktiv Richtlinien und Verfahren zu entwickeln, um Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel vorzubeugen. Dies passiert in Zyklen, beginnend mit einer Risikobewertung und geht über in die Entwicklung entsprechender Richtlinien und Verfahren, um Verstöße zu erkennen, zu verhindern, zu überwachen und zu beheben, sollten sie auftreten.
  • Umweltrisiken einschätzen und verringern: Produzentenorganisationen müssen jährliche Umweltrisikobewertungen durchführen
  • Der Klimakrise begegnen: Es müssen konkrete Klimaanpassungspläne entwickelt werden, in denen Risiken priorisiert werden; dementsprechend sollen nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken angewendet werden

Der Standard ist seit dem 15. Juli 2020 offiziell eingeführt und gilt für kleinbäuerliche Organisationen und Händler. Für die Umsetzung der Kriterien gibt es Übergangsfristen. Während die Bedingungen bezüglich Zugangsvoraussetzungen bereits ab sofort in Kraft treten, werden die Kriterien, die sich auf Handelspraktiken beziehen nach sechs Monaten wirksam, also zum 15. Januar 2022. Die Einhaltung der ökologischen Kriterien treten nach einem Jahr, also ab dem 15. Juli 2022, in Kraft.

Fairtrade unterstützt bei der Umsetzung

Angesichts der vielen verschiedenen Themen, die im Kaffeestandard enthalten sind, werden mehrere Maßnahmen ergriffen. Sie sollen einerseits die Fairtrade-Produzentennetzwerke, also die Organisationen, die die Kleinbäuer*innen repräsentieren und unterstützen, und andererseits die Produzentengruppen selbst bei dieser Umstellung zu unterstützen. Dazu gehört der Aufbau von Know-How durch Schulungen und Webinare sowie die Bereitstellung von Material und Vorlagen, die die Umstellung erleichtern.
 

 

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