Öffentliche Beschaffung und strategischer Einkauf

Bild: Fairtrade Deutschland e.V.

Öffentliche Stellen in Deutschland geben jährlich rund 500 Milliarden Euro für die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen aus. Diese Marktmacht kann bewusst genutzt werden, um faire Lebensbedingungen für Menschen weltweit zu fördern. Wir haben für Sie Informationen und Tipps für öffentliche Auftraggeber sowie spezifische Hinweise für Kommunen, Schulen und Hochschulen zusammenstellt.

Gute Gründe für faire Beschaffung

Nachhaltigkeit kann nur global gedacht werden

Deutsche Unternehmen und unser Konsum beeinflussen die globalen Lebensbedingungen – sowohl positiv als auch negativ. Deutschland hat sich deshalb mit 192 weiteren Staaten der Welt verpflichtet, auf gute Lebensbedingungen weltweit hinzuwirken. Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wurden 17 Ziele definiert, die bis 2030 verwirklicht werden sollen. Unter anderem soll menschenwürdige Arbeit für alle (Ziel 8) und nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (Ziel 12) gefördert werden. Dabei steht explizit nicht nur der Privatkonsum im Fokus: Die Bundesregierung geht in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie mit dem „Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit“ auf das Verwaltungshandeln und die öffentliche Beschaffung ein.

Die öffentliche Verwaltung hat eine große Vorbildfunktion

Kommunen und öffentliche EInrichtungen wie Schulen und Hochschulen eine große Vorbildfunktion – wo etwa Verantwortliche für die Stadtreinigung oder die Studierendenverpflegung mit gutem Beispiel vorangehen, kommen Handwerksunternehmen und Hochschulangehörige ins Nachdenken und können ihr Konsum- und Einkaufsverhalten ändern. Zudem wirken sich große Beschaffungsvorhaben auch auf den Markt aus. Unternehmen müssen etwa die menschenrechtliche Situation auf Produktionsstufen überprüfen, wenn große Abnehmer wie Kommunen das einfordern oder Produktionsstandorte offengelegt werden müssen.

Mit fairer öffentlicher Beschaffung schaffen wir gerechte Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen

Kommunen und Hochschulen können die Schaffung eines faireren Wettbewerbs für Unternehmen befördern, wenn Angebote nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach Nachhaltigkeit und Qualität bewertet werden. Schließlich verursachen wirksame Nachhaltigkeitsmaßnahmen entlang der Produktlieferkette für Unternehmen Kosten. Wenn diese Maßnahmen nicht in die Bewertung einbezogen werden, haben die fortschrittlicheren, aktiveren Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil.

 


Weitere gute Gründe für faire Beschaffung finden Sie in der Broschüre Fair einkaufen in Fairtrade-Towns. Praxistipps für die Beschaffung von Berufskleidung und Textilien.


Informieren und Bedarfsstellen sensibilisieren

Vor der Ausschreibung stehen die Ermittlung und Meldung des Bedarfs seitens der Bedarfsstellen an Beschaffungsverantwortliche. An dieser Stelle werden Anforderungen und Wünsche an das Produkt formuliert (etwa zur Beschaffenheit, Farbe und Funktionsweise) und können ökologische und soziale Kriterien aufgegriffen werden. Wichtig ist es daher, dass schon die Bedarfsstellen über fairen Handel informiert sind und mögliche Anforderungen in diesem Bereich kennen. Zur Verbreitung dieser Information eignen sich Veranstaltungen, Publikationen oder auch kleine Aktionen, die ökologische und soziale Produktion der Bedarfsgüter thematisieren.

Bei diesen Warengruppen können Sie auf Fairtrade-Zertifizierungen achten:

Betriebs- und Geschäftsausstattung

  • Verpflegung: mit Fairtrade-Produkten möglich, insbesondere Kaffee, Tee, Säfte, Kekse, Bananen, Nüsse
  • Sportartikel: teilweise Fairtrade-zertifizierte Produkte verfügbar, insbesondere Bälle und Bekleidung
  • Kitabedarf/Spielzeuge: teilweise Fairtrade-zertifizierte Produkte verfügbar, insbesondere Stoffprodukte
  • Blumen/Pflanzen: teilweise Fairtrade-zertifizierte Produkte verfügbar, insbesondere Schnittblumen (Fairtrade-Rosen)

Veranstaltungen/Events

  • Bewirtung/Catering: mit Fairtrade-Produkten möglich, insbesondere Kaffee, Tee, Säfte, Kekse, Bananen, Nüsse, Reis und Reisnudeln, Kokosmilch, Gewürze und Saucen, Dosenfrüchte wie Ananas
  • Dekoration: zum großen Teil mit Fairtrade-Produkten möglich, insbesondere Schnittblumen, Flachwäsche wie Tischdecken, Stoffservierten etc.
  • Tagungsmaterialien und Gastgeschenke: teilweise Fairtrade-zertifizierte Produkte verfügbar, beispielsweise Fairtrade-Baumwollbeutel für Tagungsmaterialien und Präsente für die Referent*innen

Betriebsbedarf

  • Bekleidung: teilweise Fairtrade-zertifizierte Produkte verfügbar, beispielsweise Berufsbekleidung und Laborkittel
  • Sanitärbedarf: teilweise Fairtrade-zertifizierte Produkte verfügbar, insbesondere Seifen, Cremes und Stoffhandtücher
  • Tierbedarf: vereinzelt Fairtrade-Produkte verfügbar, etwa Hundehalsbänder

Das gesamte Portfolio der Fairtrade-Produkte finden Sie online im Produktfinder.

Informations- und Kommunikationstechnik

Elektrogeräte sind wichtiger Teil der Büroausstattung, doch obwohl etwa im Fairphone Fairtrade-Gold verbaut wird, ist Fairtrade in erster Linie ein Siegel, das Rohstoffe und Produkte aus kleinbäuerlichem Anbau zertifiziert. Bei anderen Organisationen und Initiativen werden Sie jedoch auch zu diesem Thema fündig – etwa bei Electronics Watch, Weed, im Kompass Nachhaltigkeit der SKEW und bei Germanwatch.

Mythen begegnen und Pilotprojekt starten

Immer wieder sehen sich Beschaffungsverantwortliche, die fairen Einkauf an ihrer Institution zur Norm machen möchten, mit Vorbehalten konfrontiert. Diese betreffen insbesondere die Themen Rechtssicherheit, Kosten oder Verfügbarkeit der Produkte. Tatsache ist: Für viele Produktgruppen, insbesondere Lebensmittel und Textilien, gelten diese Vorbehalte nicht (mehr). Am Beispiel von Kommunen sehen wir etwa, dass die Berücksichtigung von öko-sozialen Kriterien bei der Vergabe rechtskonform umgesetzt werden kann und nicht zwangsweise mit Mehrkosten verbunden ist. Auch hat steigende Nachfrage in den letzten Jahren bei diesen Produktgruppen zu einer Vielfalt des Angebotes geführt. Diese Entwicklung können Hochschulen und Schulen weiter vorantreiben.

Tipp: Für einen guten Start in die faire Beschaffung eignen sich kleinere Pilotprojekte mit Produkten, für die es viele verschiedene Anbieter gibt. Gern begleiten wir Sie auf Ihrem Weg!

Informationsquellen

In den letzten Jahren haben zahlreiche Kommunen Pilotprojekte umgesetzt und ihre Beschaffung dauerhaft umgestellt. Aufgrund ähnlicher rechtlicher Rahmen bzw. der Beschaffungsabläufe lohnt sich auch für Hochschulen und Schulen ein Blick in die Publikationen und Portale:

Kompass Nachhaltigkeit

Das Portal Kompass Nachhaltigkeit vereint Informationen zum Vergabeprozess, inkl. Hinweisen zur Rechtslage nach Bundesland, Hinweise zu Produkten und Zertifizierungen sowie Beispiele gelungener Ausschreibungen. Der Kompass unterstützt in erster Linie Kommunen bei der Beschaffung, doch auch für Hochschulen finden sich darin wichtige Angaben www.kompass-nachhaltigkeit.de

Siegelklarheit

Das Portal Siegelklarheit informiert Verbraucher*innen über Siegel in verschiedenen Produktgruppen und ermöglicht einen unabhängigen Vergleich. Auch Beschaffungsverantwortliche finden hier wertvolle Informationen www.siegelklarheit.de

FEMNET

Unsere Mitgliedorganisation FEMNET unterstützt Kommunen bei fairer Beschaffung mit Schulungen, welche wir auch gemeinsam mit Fairtrade-Towns umsetzen, und Publikationen. Für den Einstieg empfehlen wir Ihnen diese Praxistipps und diesen Leitfaden.

Fairtrade Deutschland

Auch Unternehmen, mit denen Sie zusammenarbeiten und die sich nicht an Vergabegesetzen orientieren müssen, können mit dem Einsatz von Fairtrade-Produkten – etwa für die Bekleidung ihrer Angestellten – ihre Nachhaltigkeitsstrategie umsetzen. Informationen zu Arbeitsbekleidung und Leasing finden Sie auf unserer Fairtrade Deutschland-Website.

Eine-Welt-Landesnetzwerke

Nicht zuletzt stehen Ihnen bei Unterstützungsbedarf auch die jeweiligen Eine-Welt-Landesnetzwerke zur Verfügung – mit Materialien, Informationen und Schulungen.

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